Mittwoch, 16. Dezember 2015

Krankengeschichte (2)



Heute ist Mittwoch, der 13.02.2013. Ich verabschiede mich für die nächsten fünf Wochen, weil ich morgen, Donnerstag, den 14.02.2013, ins Krankenhaus eingeliefert werde, um am Freitag, dem 15.02.2013, eine Gelenkprothese am rechten Knie zu erhalten.
Röntgenbild am Tag der Entlassung aus dem Krankenhaus


Private Aufnahme am Tag der Entlassung aus dem Krankenhaus


Ende einer Dienstfahrt



Ich trat im Jahr 1972 als Referendar der Fächer Deutsch und Sport an der Kreisrealschule Homburg in den Saarländischen Schuldienst ein und erlitt Ende 2009/Anfang 2010 im Alter von 62 Jahren zwei Schlaganfälle und einen Herzinfarkt, weshalb man mich im März 2011 nach knapp 36 Dienstjahren an verschiedenen saarländischen Realschulen und Erweiterten Realschulen, was nebenbei ein Etikettenschwindel ist, in den vorzeitigen Ruhestand entließ, was ich als eine Art "Heimatschuss" empfand, um mich einmal des Wehrmachtsjargons zu bedienen, der mir sonst überhaupt nicht liegt.
Mir geht es gut. Am meisten macht mir noch die fortgeschrittene Arthrose in beiden Kniegelenken zu schaffen, die  mich, wenn ich mich von unserer Wohnung entfernen möchte, entweder zur Benutzung des Autos oder des Fahrrades zwingt und die ich der Tatsache zu verdanken habe, dass ich mit Anfang 50 noch aktiv (Hallen-) Fußball gespielt und in jeder schulischen Sportstunde, ebenfalls fast ausschließlich in Sporthallen mit Schwingboden, alle Übungen vor- und mitgemacht habe. Um eine Operation werde ich wohl nicht herumkommen. Ich erwähne meine Krankengeschichte nicht aus Wehleidigkeit, sondern weil sie bei dem, was ich zu erzählen beabsichtige, noch eine nicht unerhebliche Rolle spielen wird. 
Mittlerweile, heute ist der 04.12.2012, habe ich einen Operationstermin, nämlich am 19.02.2013. Außerdem hat man mich in der Klinik aufgeklärt, dass Arthrose ein Schicksal ist, das beliebig zuschlägt und dessen Ursachen noch nicht erforscht sind. Meine ursprünglichen Spekulationen sind also obsolet.
 
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben...
Meine Infarkt-Erkrankungen blieben naturgemäß in meiner unmittelbaren Nachbarschaft nicht unbemerkt, weil ich mit Tatütata ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Außerdem war ich danach für gute sechs Wochen in diversen Krankenhäusern und Reha-Kliniken verschwunden, was auch der Anwohnerschaft zur Kenntnis kam. Niemand aus diesem Personenkreis hat sich danach nach meinem Befinden erkundigt, worauf ich auch keinen Wert gelegt habe. Ohne mein Zutun musste ich aber erkennen, dass man sich wohl untereinander klammheimlich über die Ursache meines Missgeschicks geeinigt hatte: "Tja, die Schüler...".
Ich messe - schon aus Gründen der Selbstachtung - der Feststellung großen Wert bei, dass es sehr wohl haufenweise Probleme mit den mir anvertrauten jungen Menschen gab; sie waren teilweise nicht gerade begeistert von den Arbeitsaufträgen, die ich ihnen gab, sie waren frech und aufmüpfig, auch anmaßend und unhöflich, aber alles im erträglichen Rahmen. Ich bin jedoch überzeugt - leider gibt es noch keinen Internetdienst, bei dem sich das objektiv abfragen ließe -, dass ich bei den allermeisten meiner Schülerinnen und Schülern ein gewisses "standing" hatte. Richtig wohl gefühlt in meiner Rolle als Lehrer habe ich mich an allen Schulen, an denen ich unterrichtet habe, eigentlich immer nur, wenn ich die Tür zum Klassenraum bzw. zur Sporthalle hinter mir geschlossen habe und mit meinen Schülerinnen und Schülern alleine war, auch mit all ihren Schwächen und Problemen.  Richtig ungemütlich wurde es erst, wenn ich das Klassenzimmer wieder verließ. Warum ich dies heraushebe, wird sich noch zeigen. 
Vorab deswegen nur der (leicht abgewandelte) Gag von Dieter Nuhr, der ja selbst beinahe statt beim Kabarett im Schuldienst gelandet wäre: "Lehrer gehen deshalb mit Unlust in die Schule, weil sie die Missgunst, das Mobbing und die vielen Intrigen kaum ertragen können. Und hinzukommen dann noch die Belastungen durch die Schüler..."
Ich habe meinem Blog das Heine-Gedicht vorangestellt, weil es nicht nur mein Lieblingsgedicht ist, sondern mich auch in der einen oder anderen Form während meiner Zeit als Lehrer begleitet hat und gewissermaßen als Quintessenz meines Lebens angesehen werden kann.
Eine Einführung finden Sie hier
Informationen zum Lehrerberuf finden Sie hier.
Ich erlaube mir übrigens, die Schlagzeile der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zur Allensbach-Studie abzuändern, damit sie auf mich zutrifft: "Das größte Hindernis für einen ordentlichen Unterricht sind die mit häuslichen Problemen beladenen Schüler". 
Der folgende Blog schlägt einen großen Bogen, beginnend in meiner Kindheit, um schließlich an der Erweiterten Realschule Neunkirchen, meinem letzten Dienstort zu enden.
Sollte dabei der Eindruck entstehen, vom Leben allgemein und vom Berufsleben im Besonderen enttäuscht zu sein, kann ich teilweise zustimmen, weil ich mit meiner Gesundheit bezahlt habe. Außerhalb der Erfahrungen, die ich in den folgenden Posts schildern werde, gibt es aber noch genug Positives, mit dessen Schilderung ich aber bestimmt nur (noch mehr?) Langeweile hervorrufen würde.




Dienstag, 15. Dezember 2015

August von Kotzebue: Die deutschen Kleinstädter (4)


Vierter Akt


Die Straße vor dem Hause des Bürgermeisters. Dem gegenüber das Haus seines Bruders, von mehrern Stockwerken; in der Dachstube Sperlings Wohnung. Vor diesem letztern Hause steht ein Laternenpfahl mit einer Laterne, die aber nicht brennt. Es ist Nacht, doch sieht man noch Licht in beiden Häusern.[1]

Erste Szene

Olmers monologisiert über seinen ersten Tag in Krähwinkel und bedauert, dass er zwar allen Klatsch und Tratsch der Stadt gehört, aber keine Minute allein mit seiner Geliebten verbracht habe. Umso mehr hofft er auf das mit Hilfe von Sperling eingefädelte Rendezvous mit Sabine.



Zweite Szene

Sabine und Olmers.

Olmers bedrängt Sabine in einem kurzen Geplänkel, mit ihm auf die Stube zu kommen. Sabine jedoch weiß sich in guter Obhut ihrer eigenen Sittsamkeit und durch die Nähe der dörflichen Gemeinschaft. Zum ersten Mal hat sie Gelegenheit, ihren Geliebten mit all den Vorurteilen aus Dorf und Verwandtschaft zu konfrontieren, die ihr natürlich nicht verborgen geblieben sind. Vor allem das Fehlen eines Titels sei momentan noch das Haupthindernis einer Verbindung zwischen beiden ("Herr, ohne Titel bekommen Sie mich nicht.")

Die traute Zweisamkeit der beiden wird zunächst durch Sperling gestört, der sich herbeilässt, ein Liebessonett auf Sabine aus seinem Kammerfenster auf die Gasse zu singen, wo soeben der Nachtwächter passiert, ohne darauf Rücksicht zu nehmen.



Vierte Szene

Der Nachtwächter. Die Vorigen.

Lustige Auseinandersetzung zwischen dem verliebten Sperling und dem auf stur gebürsteten Nachtwächter.

Fünfte Szene

Frau Staar am Fenster. Vorige.

Alle reden durcheinander, Frau Staar beschwert sich über den Lärm auf der Gasse, Sperling über den Störenfried und der Nachtwächter zieht sich grummelnd zurück.

 


Sechste Szene

Herr Staar am Fenster. Vorige.

Sperling, Frau und Herr Staar äußern sich wechselweise abfällig über Sabine und Olmers, was diese in ihrem Versteck hören können und sich deswegen gegenseitig zu necken anfangen, weil sie dies eher als Auszeichnung denn als Herabwürdigung empfinden. Olmers wird wahlweise als      "Avanturier aus der Residenz", "Landstreicher", "fremde Unverschämtheit"   mit " philosophischen Floskeln"  verunglimpft, was seine Geliebte stets mit dem Hinweis quittiert, dass er auch tatsächlich gemeint sei. Andererseits bezeichnen ihre eigenen Verwandten Sabine als "Jungfer Naseweis", die mit ihrer "Sittsamkeit" prahle und sich viel auf ihr "Lärvchen" einbilde, was Olmers jedes Mal zu einem neckischen "Das sind Sie" verleitet.



Siebente Szene

Olmers und Sabine.

Hier treffen erneut die strenge Sittsamkeit des Mädchens und der etwas losere Charakter des Residenzbewohners aufeinander. Olmers will Sabine zu einem Spaziergang überreden, was diese ablehnt ("…so meint der Herr nun gleich, er dürfe mit mir lustwandeln in die weite Welt.") und ihm gleich einen resoluten Vorgeschmack auf die zu erwartende Ehe verschafft ("Morgen rücken Sie nur fein früh mit dem Titel heraus und befolgen meine übrigen Vorschriften pünktlich.").



Achte Szene

Klaus, der Ratsdiener, mit einer Blendlaterne. Vorige.

Das Paar muss sich erneut verstecken; diesmal vor dem blinden Ratsdiener Klaus, der dem Bürgermeister die schlimme Nachricht überbringt, die bewusste Delinquentin, wie erwähnt ebenfalls als eine Hauptperson für den kommenden Tag ausersehen, sei in der Nacht geflohen. Bürgermeister wie Ratsdiener sind völlig entsetzt darüber, Herr Staar wegen der Reputation seiner Gemeinde ("schon winkt der Pranger zu Ehr' und Ruhm des Hochweisen Stadtrates "), der Diener  wegen der Verpflegung, die die Magd aus seiner Vorratskammer hat mitgehen lassen ("Undankbares Mensch! Neun Jahr ist sie gefüttert worden."). Nur Eines ist klar, dass nämlich "die Sache verschwiegen traktiert werden (muss)."



Neunte Szene

Bürgermeister im brokatnen Schlafrock. Vorige.

Diese Szene steht ganz im Zeichen der mündlichen Erzählung des Verlaufs der vergangenen Nacht im Hause des Gemeindedieners Klaus, das als Behelfsgefängnis gedient hat, und der Flucht der so lange eingekerkerten Magd. Der Diener verdankt die ganze Sache dem unruhigen Schlaf seiner Frau, die durch die Fluchtgeräusche der Magd geweckt worden war. Als Klaus nachschaute, war die Magd mitsamt einiger Lebensmittel aus der Speisekammer verschwunden. Der Bürgermeister ist darob so erzürnt, dass er die Magd auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen will; selbstredend in strenger Gesetztestreue und ohne finanziellen Aufwand ("Eine Hexe! sie muss verbrannt werden! ich mache einen Bericht an die Kammer – der Oberförster muss herrschaftliches Holz zum Scheiterhaufen liefern."). Die Entflohene hat zur eigenen Belustigung einen Zettel hinterlassen, auf dem sie "dem Herrn Vizekirchenvorsteher" für ihre Befreiung" dankt. Dieser nämlich habe sie uneigennützig im Gefängnis mit einschlägiger Literatur, u.a. mit "Trencks Leben und Flucht aus dem Gefängnisse", versorgt. Der ganze Frust über das entgangene Pranger-Event entlädt sich damit über dem Bruder des Bürgermeisters. " Gott sei Dank, so halten wir uns an den", wie sich Klaus, der Diener, auszudrücken pflegt.



Zehnte Szene

Herr Staar im Nachthabit. Vorige.

Diese komplette Szene steht im Zeichen der Vorwürfe, die der Bürgermeister seinem Bruder macht. Wegen des Aufruhrs auf der Gasse wird auch Sperling herbeigelockt und gesellt sich zu den Anwesenden.



Eilfte Szene


Sperling im Nachthabit. Vorige.

Allerdings glaubt Sperling, seine Angebetete Sabine gelte als vermisst, und hat auch gleich einen als Entführer Verdächtigten, nämlich Olmers parat. Es dauert eine Weile, bis der wahre Sachverhalt bei ihm angekommen ist. Signifikant wird dabei die Vordergründigkeit der Beziehungen der Kleinstädter zueinander. Auch Familienbande spielen dabei keine Rolle. Klaus, der Nachtwächter, ist ohnehin nur an seinen "Schinken und Würsten" interessiert; der Bürgermeister verdächtigt seinen Bruder der Beilhilfe zur Flucht ("Der Herr Bruder hat ihr durchgeholfen."); und Sperling sieht so gut wie alle seine Felle davonschwimmen: die Verlobung, seinen Auftritt als Stadtpoet, das Pranger-Event. Außerdem sorgt man sich gemeinsam um den guten Ruf der Stadt im Hinblick auf den Spott der Nachbargemeinde ("Die Rummelsburger lachen sich todt.") und hat große Angst vor der gewiss ungnädigen Reaktion aus der Residenzstadt ("…was wird man in der Residenz dazu sagen? - Der Minister wird außer sich sein - Der König in Zorn gerathen."). Gnadenlos machen sich auch die beiden Staar-Brüder gegenseitig nieder ("Der Herr Bruder wird abgesetzt." – "Und der Herr Bruder kömmt ins Zuchthaus."), weil sie sich die Schuld am Organisationsversagen wechselseitig in die Schuhe schieben möchten.

In der Hitze der Wortgefechte entdeckt Klaus, der Nachtwächter, per Zufall Sabine und Olmers im Halbdunkel einer Laterne. Olmers, der den gesamten Streit um die entflohene Magd mitgehört hat, packt die Gelegenheit beim Schopfe, gesteht den Anwesenden seine Liebe zu Sabine und verleiht der Sache dadurch Nachdruck, dass er sich auf der Basis seiner Beziehungen zur Residenzstadt als Vermittler und Fürsprecher anbietet.



Zwölfte Szene


Frau Staar im Nachthabit. Vorige

Frau Staar ist zunächst pflichtgemäß entsetzt über das nächtliche Treiben ihrer Enkelin, lässt sich aber von der Aussicht auf einen guten Ausgang und vor allem vom Titel des Herrn Olmers ("Geheimer Commissionsrath ") zur Abkehr von ihrer Meinung bewegen.

Das Schlusswort bleibt Sperling vorbehalten, der am Ende die Bühnenillusion durchbricht und sich verzweifelt an das Publikum wendet: " Ist denn Keiner, der sich herauf bemühen möchte, mein Triolett zu hören?"




[1] Die Häuser müssen herauswärts, gleich an die erste oder zweite Kulisse gebaut sein, so dass die Bühne dadurch etwas verengt wird und die aus den Fenstern Schauenden von dem Zuschauer en face gesehen werden. Der Laternenpfahl kann sodann etwas mehr zurückstehn

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August von Kotzebue: Die deutschen Kleinstädter (3)




Dritter Akt

Erste Szene
Im Monolog ereifert sich Frau Staar über die angeblich mangelnden Sitten des Herrn Olmers, der bei Tisch nur Augen für gleichaltrige Damen gehabt und gestandene ältere wie sie und Ihre Muhmen ignoriert habe .

Zweite Szene
Frau Staar. Frau Brendel, Frau Morgenrot (beide nach ihrer Art geputzt).
Auch im Dialog mit ihren Muhmen ist das Verhalten von Olmers bei Tisch der einzige Gesprächsgegenstand – natürlich begleitet von abfälligen Bemerkungen der Damen.

Dritte Szene
Herr Staar. Die Vorigen.
Das Thema ändert sich auch nicht, als schließlich Herr Staar hinzustößt. Er fragt sich schließlich, "wie der Herr Minister solche Leute empfehlen kann."

Vierte Szene
Sperling. Vorige.
Natürlich nutzt Sperling die gerade vorherrschende Stimmung, um gegen seinen Nebenbuhler Stimmung zu machen. Dieser habe nach Sperlings Auffassung, "keine Konduite" und werde "bei dem morgenden großen Feste (…)zum Kinderspott." Frau Brendel fügt ihre eigenen Beobachtungen beim Festmahl hinzu: "Da zwinkert' er immer mit der Jungfer Muhme, die ihm gegenübersaß." Herr Staar schließlich dankt "dem Himmel, dass in unserer guten Stadt Krähwinkel die liebe Jugend feiner erzogen wird". Obwohl Olmers in seiner Verliebtheit sich nur benommen hat, wie sich junge Leute nun mal benehmen, hat er nach Meinung der anwesenden "keine Sitten, keine Moral, keine Lebensart" und vor allem "keinen Titel."

Fünfte Szene
Sabine. Vorige.
Auch in Anwesenheit Sabines lassen die Bürger der Stadt kein gutes Haar an Olmers. Diese jedoch weiß sich zur Wehr zu setzen und stellt in einer flammenden Erwiderung der betulichen, im Grunde aber auch verlogenen Ehrpusseligkeit ihrer Verwandten und Nachbarn, die vom Selbstbewusstsein gestützte neue Bürgerlichkeit, wie sie in der Residenz gepflegt werde, gegenüber; selbst als Frau Staar theatralisch klagt: "Ach du mein Gott! ist denn die Residenz zu einer Dorfschenke geworden?"

Sechste Szene
Der Bürgermeister. Olmers. Vorige.
Auch wenn der Bürgermeister wegen der politischen Beziehungen von Olmers zum Minister es vorzieht, diesen schonend zu behandeln, lassen die übrigen Anwesenden Olmers spüren, dass sie wegen dessen angeblicher Verstöße gegen die "Konduite" indigniert sind, so dass Sabine sich genötigt sieht, ihn zu drängen, sich ihrer Familie zu offenbaren. "Sie sind auf dem besten Wege, es mit der ganzen Familie zu verderben. Reden Sie mit meinem Vater, ehe es zu spät wird."

Siebente Szene
Olmers und der Bürgermeister.
Nachdem Olmers mit dem Bürgermeister alleine ist, bricht er auch ohne Umschweife ein belangloses Gespräch über einen Hammel ab und kommt ohne Umschweife zur Sache: "Ich liebe Ihre Mademoisell Tochter (…) Ich wünschte sie zu heiraten." Er stellt auch seine eigene Beförderung in Aussicht und drängt den künftigen Schwiegervater zu einer raschen Entscheidung. Dieser jedoch ("Ich bin Paterfamilias") beabsichtigt zunächst "die sämtlichen Vettern und Muhmen zusammenzuberufen und selbigen Dero Anliegen in geziemenden Terminis vorzutragen."

Achte Szene

In einem von Opportunismus getränkten Monolog wägt der Bürgermeister die Vor- und Nachteile einer Vermählung seiner Tochter mit Olmers ab, wobei er schließlich zu dem Ergebnis kommt, dass er einerseits die Entscheidung nicht alleine fällen könne, sondern die Unterstützung durch den Familienrat benötige, und andererseits die Hilfe durch Olmers in der Residenz noch von Vorteil sein könne. "Aber ich wollte denn doch, dass er das morgende Fest Sr. Exzellenz getreulich referierte; drum muss ich ihn schonen." Mit dem Fest am nächsten Tag ist in diesem Zusammenhang die Anprangerung der diebischen Magd gemeint.

Neunte Szene
Bürgermeister. Frau Staar. Herr Staar. Frau Brendel. Frau Morgenrot.

Der Familienrat sitzt zusammen und berät, ob man in eine Vermählung zwischen Sabine und Olmers einstimmen könne. Nicht im Traum denkt man dabei daran, die beiden Betroffenen zu befragen, sondern zieht zunächst einmal über deren Köpfe hinweg alle Argumente heran, die dagegen sprechen: " Ein Fremder ist eine Raubbiene in unserm netten Bienenkorbe, (…) weiß nichts von unsern alten ehrwürdigen Gebräuchen, (…) macht sich lustig über unsere ehrbaren Sitten, (…) vergiftet die liebe Jugend, die ohnehin täglich schlimmer wird". Bleibt allerdings noch das Problem, wie man dem draußen wartenden Olmers die Entscheidung möglichst schonend beibringt, bei dessen guten Beziehungen zum Minister…. Schließlich möchte man ihn abfinden: " wenn man ihm eine andre Frau proponierte? (…) oder bei der nächsten Kindtaufe, welche in der Familie vorfällt, könnte man ihn zu Gevatter bitten." Am Ende gar soll sich die Witwe Brendel "opfern" und ihn zum Gatten nehmen. Diese, sich hinter dem Fächer versteckend, nimmt es mit einem errötenden "Ach lassen Sie doch den lieben Gott walten." entgegen.   


Szene aus einer Aufführung am Teuringer Provinzthater
  

Zehnte Szene

Olmers. Vorige.
Olmers, der die ganze Zeit vor der Tür gewartet hat, drängt den Bürgermeister zu einer Entscheidung. Dieser jedoch, Opportunist, der er nun mal ist, schiebt diese lieber den anwesenden Damen zu, getreu seiner eigenen Maßgabe: "Heiraten und Nähnadeln müssen die Frauenzimmer einfädeln."  Die seltsamste Rolle spielt hierbei die Witwe Brendel, die einer Verbindung mit Olmers zwar nicht gänzlich abgeneigt ist, sie aber aus Schicklichkeitsgründen dennoch ablehnen muss.

Eilfte Szene

Völlig verwirrt führt Olmers in einem Monolog die seltsamen Auskünfte, die er bekommen hat, auf die kulturellen Unterschiede zwischen Kleinstadt und Residenz zurück.


Zwölfte Szene
Sabine und Olmers.
Zwischendurch versichern sich Olmers und Sabine hin und wieder mal heimlich ihrer gegenseitigen Zuneigung, auch wenn, wie in dieser Szene, der etwas tapsige Sperling allgegenwärtig ist.

Dreizehnte Szene
Sperling. Vorige.
Der Witz dieser Szene liegt darin, dass Sabine und Olmers den Nebenbuhler Sperling dazu bringen, sich eine Gelegenheit für ein Rendezvous für sie beide auszudenken. Sie nutzen Sperlings literarisches Interesse, gaukeln ihm vor, Olmers schreibe an einem Roman, in dem eine junge Dame in allen Ehren ein  Stelldichein mit einem Galan plane, und bitten ihn um seinen dramaturgischen Rat. Prompt entwirft Sperling ein Szenario, ohne zu merken, dass es sich gegen ihn selbst richtet.

Vierzehnte Szene

Sperling hegt in einem Monolog tatsächlich leise Zweifel, ob nicht vielleicht doch er selbst mit dem Nebenbuhler in Olmers' Roman gemeint sein könnte. Diese Gedenken verdrängt er jedoch gleich wieder – übrigens in Reimform -, weil er zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen gedenkt: Er arbeitet an der Entstehung eines Romans mit, kann aber mit seinem Einfluss dem Autor Olmers auch gleichzeitig schaden und sich bei Sabine einschmeicheln.

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